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Leberkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC)

Sehr geehrte Interessierte!

Der Leberkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC) steigt auch in Österreich enorm an. Deshalb müssen wir als verantwortungsvolle Patient:innenorganisation mit unserem Fachbeirat darauf aufmerksam machen, dass nicht nur der Lifestyle (Ernährung, Alkohol, Medikamente uvm) an der Entstehung Schuld sein kann, sondern müssen explizit darauf hinweisen, dass jeder Patient:in mit einer viralen Lebererkrankung wie z.B. HBV/HDV, HCV unbedingt regelmäßig zur Kontrolle gehen muss. Auch wenn z.B. eine Hepatitis C ausgeheilt ist, heißt das nicht, dass man nie an Leberkrebs erkranken kann. Wenn frühestmöglich diagnostiziert wird, kann heutzutage eine Heilung herbeigeführt werden. Deshalb bieten wir Ihnen speziell eine Informationsbroschüre wie unten angeführt, an, um eine umfangreiche Information aber natürlich auch die persönliche Betreuung zu ermöglichen.

Wo stehen wir derzeit?

Leberkrebs gehört weltweit zu den häufigsten Krebsarten: 5.-häufigster Krebs bei Männern, 7.-häufigster Krebs bei Frauen, jedoch 3.-häufigste Krebs-Todesursache. Dass Leberkrebs so häufig zum Tod führt liegt auch daran, dass nur bei 30% aller Patien:iInnen eine Therapie mit dem Ziel einer Heilung möglich ist. In 70% der Fälle ist die Erkrankung zum Diagnosezeitpunkt schon so weit fortgeschritten, dass eine Heilung nicht mehr möglich ist. Das Ziel ist dann eine Lebensverlängerung bei akzeptabler Lebensqualität. Aber auch bei den Patient:innen, die primär mit kurativer Zielsetzung behandelt werden, liegt das 5-Jahresüberleben nur bei 40 – 70%. Ein Grund dafür ist sicherlich die Tatsache, dass Leberkrebs in 90% der Fälle in einer zirrhotischen Leber auftritt und auch die Leberzirrhose selbst die Sterblichkeit erhöht. Zusätzlich stellt die Leberzirrhose oft auch eine Kontraindikation für manche kurative Therapieansätze (z.B. Leberteilresektion) dar.

Was sind unsere Ziele?

Unser Ziel muss es sein, Erkrankungen der Leber, die mit einem erhöhten Krebs-Risiko einhergehen (z.B. chronische Hepatitis B oder C), frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln, um so das Krebsrisiko zu senken. Gleichzeitig muss das Screening so verbessert werden, dass Leberkrebs in früheren Stadien diagnostiziert wird und mehr PatientInnen einer kurativen Therapie zugeführt werden können. Um diesem Ziel näher zu kommen, sollten Patient.innen mit einer chronischen Lebererkrankung in speziellen Leberambulanzen regelmäßig kontrolliert werden.

Wenn Sie, sehr geehrte/r Leser:in Details und fachliche Information wünschen, bitte kontaktieren Sie uns und wir senden Ihnen dann eine ausführliche Informationsbroschüre gerne per e-mail zu. Bitte schreiben Sie an info@gesundeleber.at und bitten Sie um die Übermittlung der Informationsbroschüre unter Angabe Ihres Namens, Ihrer Adresse, E-Mail.

Selbstverständlich stehen wir für eine persönliche Beratung jederzeit zur Verfügung. Eine derartige Diagnose braucht gefühlvollen Umgang mit den Patient:innen. Man kann über Ernährung, Verhalten sehr viel für seinen Körper tun, um mit dieser Diagnose besser umgehen zu können und die Therapie und Heilung zu unterstützen.

Unsere Tel. Nr. ist: 0676/5204124, info@gesundeleber.at.

Welt-Hepatitis-Tag 2023 – 28. Juli „Ich warte nicht. Ich handle!“

Am 28. Juli ist wieder Welt-Hepatitis-Tag! Seit 2011 macht die World Hepatitis Alliance (WHA) an diesem Tag jährlich auf die Gefahren von viralen Lebererkrankungen aufmerksam, um vor allem Hepatitis B, C und Delta bis zum Jahr 2030 zu eliminieren. In Österreich wird dieses Ziel von der Hepatitis Hilfe Österreich – Plattform Gesunde Leber (HHÖ) rund um Vorsitzende Angelika Widhalm und ihren Partnernvorangetrieben.

Am 28. Juli ist es wieder so weit: Der Welt Hepatitis Tag 2023 findet weltweit statt, um die Awareness für alle viralen Hepatitiden zu steigern und um diese schweren Lebererkrankungen bis 2030 zu eliminieren. „Denn aktuell stirbt alle 30 Sekunden ein Mensch an viraler Hepatitis“, betont Angelika Widhalm, Vorsitzende der Hepatitis Hilfe Österreich – Plattform Gesunde Leber (HHÖ). Sie appelliert an alle: „Lass dich testen! Du könntest Dein Leben retten.“ In diese Stoßrichtung geht auch das diesjährige Motto des Welt Hepatitis Tags, der von World Hepatitis Alliance ausgerichtet wird. „I’m not waiting!“ „We’re not waiting“. In Österreich: „Ich warte nicht! Ich handle!“ Die übergeordnete Kampagne der World Hepatitis Alliance unter dem Title „Hep can’t wait“ (Hepatitis kann nicht warten) läuft bereits seit drei Jahren.Dieses Motto soll den Menschen klarmachen, dass sie selbst die Verantwortung für ihre Gesundheit tragen und selbst aktiv werden sollten, um sich und andere vor Hepatitis-Infektionen und ihren Folgen zu schützen. „D.h., sich testen lassen. Und wenn eine Infektion vorliegt, dann sofort mit der entsprechenden antiviralen Therapie zu beginnen. Aktiv werden heißt aber auch, sich impfen zu lassen, um einer Infektion vorzubeugen.

Fakten zur viralen Hepatitis

Weltweit sind laut WHO-Schätzungen noch immer ca. 58 Millionen Menschen von chronischer Hepatitis C betroffen. Viel mehr jedoch wissen nichts von ihrer Infektion.

Geschätzte 15 Millionen Europäer sind chronisch HCV infiziert, eingeschlossen 5,5 Millionen, die in der EU leben; jedes Jahr werden 27.000 – 29.000 neue Fälle in der EU/EEA diagnostiziert. Beweise zeigen, dass sich in einigen europäischen Ländern die jährliche Todesrate durch HCV in den letzten 20 Jahren vervierfacht hat.

Laut WHO-Angaben von 2022 leben weltweit 296 Millionen Menschen mit chronischer Hepatitis B. 5% dieser Menschen (ca. 14,8 Millionen) leiden zusätzlich an einer Hepatitis-Delta-Infektion. Das unvollständige Hepatitis-Delta-Virus kann nur zusammen mit Hepatitis B existieren, verschlechtert aber den Verlauf oft dramatisch.

Die Situation in Österreich

„Lebererkrankungen sind auch in Österreich stark im Steigen begriffen und bilden somit eine große finanzielle Herausforderung für das Gesundheitssystem“, betont Widhalm und verweist darauf, dass virale Hepatitis A, B, C, Delta in Österreich gut behandelt werden können – „Hepatitis C ist heilbar. Es ist jedoch noch immer nicht vorgesehen, in der Gesundenuntersuchung auf virale Hepatitiden zu testen. Das muss sich ändern!“, fordert die HHÖ-Vorsitzende, da es in Österreich noch immer keine geregelten Screening-Programme für alle gibt und Diagnosen fast immer per Zufall gestellt werden. „JEDER kann betroffen sein, nicht nur Risikogruppen, er weiß es nur noch nicht! Und jeder Betroffene hat ein Recht auf Diagnose und Therapie, um sich und seine Familie schützen zu können.“ fügt Widhalm mit Nachdruck hinzu.

Für einige Risikogruppen gibt es bereits vereinzelt Test- und Betreuungsangebote, die jedoch überall ausgebaut gehören. 

„Auch die Therapie gegen Hepatitis B ist erfolgreich, wenn sie rechtzeitig eingeleitet wird. Man muss die Betroffenen jedoch erst finden! Und daran krankt es hier“, meint Widhalm hinsichtlich Hepatitis B, die oft gemeinsam mit einer Hepatitis Delta-Infektion auftritt. „Seit 2020 kann man auch Delta gut therapieren und so einen schweren Verlauf der Hepatitis B verhindern“, betont die HHÖ-Vorsitzende und fordert, „dass jeder Hepatitis B-Betroffene einmal im Leben auf Hepatitis Delta getestet werden muss, um rechtzeitig eine Therapie einleiten zu können.

Seltene Lebererkrankungen

„Die seltenen Lebererkrankungen sind nicht so selten, wie man glaubt, denn es gibt sehr viele verschiedene seltene Lebererkrankungen (PBC, AIH, PSC, Morbus Wilson, Hämochromatose, Alpha 1 Antitrypsin uvm.). Die Anlagen dazu werden oft vererbt“, erläutert Widhalm. „Auch hier müssen wir die Informationen noch intensiver in die Bevölkerung tragen, damit diese entsprechend sensibilisiert wird.“

Auch der Zugang zu innovativen Therapien ist oft mit großen Hürden verbunden, hier muss endlich gehandelt werden, da diese Erkrankungen meist gut therapiert werden können. „Vor allem bei der PBC (Primär Biliäre Cholangitis) gab es in den letzten Jahren enorme Fortschritte in der Therapie. Die Allgemeinmediziner sollten in jedem Fall sensibilisiert werden und rechtzeitig zum Hepatologen überweisen“, fordert Widhalm.

Neue Volkskrankheit Fettleber

„Eine nicht infektiöse Lebererkrankung, die weltweit, aber vor allem in Europa, Amerika und Australien viele Todesopfer fordert, wird von vielen Ärzten noch unterschätzt: die Fettleber – die neue Volkskrankheit Nr. 1“, erläutert die HHÖ-Vorsitzende. Meist wird sie durch eine übermäßige Aufnahme von industriell verarbeitetem Zucker wie u.a. Maisstärkesirup in Kombination mit zu wenig Bewegung, einer nicht ausgewogenen Ernährung (zu viel Kohlenhydrate, zu wenig Proteine) und/oder Alkohol verursacht und kann zu schweren Folgen wie Diabetes bis hin zum Leberkrebs führen. In Österreich sind etwa jeder 3. Mann und jede 4. Frau betroffen. Die Fettleber ist mittlerweile der häufigste Grund für eine Lebertransplantation weltweit!

„Wenn wir sofort Präventionsmaßnahmen einleiten, ersparen wir uns in 10 Jahren ca. 90 % der Menschen mit Diabetes, die wir hätten, wenn wir weiterhin gegen diese Volkskrankheit nichts machen würden“, so Widhalm weiter. „Durch Präventionsmaßnahmen ersparen wir uns aber vor allem menschliches Leid und Gesundheitskosten und setzen so einen Beitrag zu einer gesünderen Bevölkerung.“

Die HHÖ fordert in diesem Zusammenhang, dass bei erhöhten Leberwerten alle nötigen Untersuchungen durchgeführt und diese auch von den Krankenkassen refundiert werden. „Das ist aktuell leider nicht der Fall“, verweist Widhalm auf einen rigorosen Missstand hierzulande. „Grundsätzlich sollten Elastographie Untersuchung (FibroScan) in die Maßnahmen einer herkömmlichen Vorsorgeuntersuchung aufgenommen werden!“ So könnte man auch die sogenannten seltenen Lebererkrankungen rechtzeitig erkennen, um die Betroffenen rasch therapieren zu können.

Die HHÖ hat in Kooperation mit dem Verein Praevenire, dem Gesundheitsforum, die „Lebergesundheit 2030“ initiiert, um Lebererkrankungen endlich auf die gesundheitspolitische Ebene zu heben, wo sie hingehört, nämlich GANZ oben. Dies ist heuer gelungen und wird mit der Integrierung des Themas in politische Aktivitäten in den nächsten Jahren massiv intensiviert

Die Risikofaktoren auf einen Blick

·      Übergewicht

·      Bewegungsmangel

·      falsche Ernährung

·      übermäßiger Alkoholgenuss

·      sowie genetische Risikofaktoren

Forderungen der HHÖ auf einen Blick

·      Regelmäßige Screenings auf Lebererkrankungen im Rahmen von Präventionsmaßnahmen

·      Screeningprogramme auf Fettleber im Rahmen der Diabeteszentren.

·      Bessere Zusammenarbeit der Diabetologen mit den Hepatologen und Gastroentereologen.

·      Angebot von kostenlosen Hepatitis-Schnelltests im Rahmen von Prävention an die breite Bevölkerung.

·      Jeder Hepatitis B-Patient muss einmal im Leben auf Hepatitis D (Delta) getestet werden, um rechtzeitig die neue Therapie einzuleiten.

·      Erweiterung der Tests bei der Gesundenuntersuchung auf Lebererkrankungen.

·      Die Erstellung eines von der WHO seit Jahren geforderten Hepatitis-Aktions-Planes auch in Österreich.

·      Erstellung eines umfangreichen Präventionskonzeptes und Umsetzung dessen zum Thema Lebererkrankungen – beginnend sofort mit dem Thema Fettleber und in Folge alle Lebererkrankungen und deren Folgen.

·      Volle Übernahme der Kosten für Impfungen gegen Hepatitis A und B auch im Erwachsenenalter.

·      Erstattung der Kosten durch die SV für Untersuchungen der Leber mittels Elastographie (Fibroscan) im Rahmen der Kassenverträge.

·      Erstattung der vollen Kosten durch die SV für MTDs (Diätologen, Physio usw.), die zur Behandlung von Lebererkrankungen und deren Folgen nötig sind.

·      Erstattung der Kosten im Bereich der psychischen Gesundheit durch die SV bei Lebererkrankungen und deren Folgen.

·      Volle Einbeziehung in das Gesundheitsprogramm aller Lebererkrankungen auf gesundheitspolitischer Ebene und sofortiges Setzen von Präventionsmaßnahmen.

Links:

https://www.worldhepatitisalliance.org/
http://www.welthepatitistag.info/
https://www.gesundeleber.at/

Über die Hepatitis Hilfe Österreich – Plattform gesunde Leber

Die Hepatitis Hilfe Österreich – Plattform Gesunde Leber (HHÖ) wurde im Jahr 2000 von engagierten Patienten gemeinsam mit Ärzten und den Partnern aus der Gesundheitspolitik gegründet. Seither fungiert der gemeinnützige Verein als Schnittstelle zwischen PatientInnen und MedizinerInnen, Behörden, Ministerien, Arbeiter- und Wirtschaftskammer, Sozialversicherungsträgern, Krankenkassen sowie regionalen Behörden hier in Österreich. Ein wissenschaftlicher Beirat, bestehend aus namhaften Fachärzten und Wissenschaftlern, gewährleistet die Zuverlässigkeit, Aktualität und Seriosität der medizinischen Informationen der HHÖ. Die Hepatitis Hilfe Österreich wird künftig noch enger als bisher mit allen zuständigen Behörden, Ministerien und einschlägigen Institutionen des Landes sowie den Medien zusammenarbeiten.

Downloads:

Die Pressemappe

Die Beilage: „Präsentation Leber und Kardiometabolische Erkrankungen 2023“

Die Beilage „Übersicht im Viren Dschungel: Das Hepatitis ABC

Pressekonferenz zum Welt-Hepatitis-Tag 2017 am 26. Juli, um 11 Uhr

Auch heuer wieder lädt die Hepatitis Hilfe Österreich – Plattform gesunde Leber (HHÖ) anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags, der am 28. Juli stattfindet, zur Pressekonferenz – diese findet am 26. Juli, um 11 Uhr, im Presseclub Concordia, Bankgasse 8, 1010 Wien, statt.

 

Mit dem Welt Hepatitis Tag möchte die World Hepatitis Alliance seit 2011 unter anderem auf den Umstand aufmerksam machen, dass “weltweit mehr Menschen an Virushepati­tis sterben als an HIV und Malaria”, betont Angelika Widhalm, Vorsitzende der HHÖ. “In Österreich gehen wir derzeit noch immer von ca. 20.000 bis 40.000 Hepatitis C (HCV) Betroffenen aus. Weltweit sind es rund 180 Millionen Menschen, von denen wir wissen, dass sie infiziert sind. Die Dunkelziffer kann wesentlich höher liegen. Hepatitis B (HBV) ist eine der größten Infektionserkrankungen weltweit, ca. 380 Millionen Menschen leiden daran”, geht Widhalm auf die Brisanz der Situation ein. “Und das, obwohl es etwa gegen Hepatitis B eine sehr effektive Prophylaxe (Schutzimpfung Kombination Hepatitis A+B) gibt”, fügt Martin Prais, Generalsekretär der HHÖ, hinzu.

Neben Angelika Widhalm und Martin Prais werden auch der Hepatologe Primar Doz. Dr. Andreas Maieron vom LKH-St. Pölten sowie Univ.-Prof. MMag. Dr. Gottfried Haber von der Donau-Universität Krems (Fakultät für Gesundheit und Medizin) hinter den Mikros Platz nehmen.

 


Die Eckdaten auf einen Blick – PK zum Welt-Hepatitis-Tag 2017
Wann: am 26. Juli, um 11 Uhr
Wo: im Presseclub Concordia, Bankgasse 8, 1010 Wien
Anmeldungen unter: info@gesundeleber.at


 

Auch Dr. Andreas Maieron ist überzeugt, dass die Initiative NOhep – viralen Lebererkrankungen bis zum Jahr 2030 zu eliminieren – erfolgreich sein kann: „Durch die heute verfügbaren Medikamente ist eine praktisch nebenwirkungsfreie Therapie von Hepatitis C mit Heilungsraten zwischen 95% und 100% innerhalb von wenigen Wochen möglich. Damit ist die Voraussetzung für eine Elimination gegeben. Allerdings müssen wir noch viel an Arbeit leisten!“

 

Detaillierte Infos erhalten Sie direkt bei der Pressekonferenz.

 

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

 

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Widhalm, Vorsitzende der HHÖ

Klagbaumgasse 3, Büro: A-1040 Wien,

Telefon: +43 1 581 03 28

Mobil: +43 676 5204124

Mail: info@gesundeleber.at

Web: www.gesundeleber.at

Erste Therapieerfolge bei primär sklerosierender Cholangitis (PSC), einer noch unheilbaren Lebererkrankung

Die primär sklerosierende Cholangitis ist eine derzeit noch unheilbare Lebererkrankung, an der vor allem jüngere Menschen zwischen 30 und 40 Jahren erkranken. Jetzt konnte in einer Europäischen multizentrischen Phase II-Studie unter der Leitung der MedUni Wien und in enger Kooperation mit der Med Uni Graz und der Medizinischen Hochschule Hannover gezeigt werden, dass diese Krankheit mit Hilfe einer synthetisch hergestellte Gallensäure (Wirkstoff nor-Ursodeoxycholsäure/Nor-Urso) geheilt werden könnte.

„Die primär sklerosierende Cholangitis ist eine der letzten großen ‚Black Boxes‘ in der Hepatologie, eines der letzten ungelösten Rätsel“, sagt Michael Trauner, Studienleiter und Leiter der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien. „Falls die Heilung mit Hilfe von Nor-Urso gelingen sollte, wäre das ein bemerkenswerter Durchbruch in der Hepatologie.“

Die mit 161 PatientInnen aus 45 Zentren in zwölf Ländern – beteiligt waren neben Österreich und Deutschland noch Belgien, Dänemark, Großbritannien, Ungarn, Litauen, Holland, Norwegen, Spanien, Finnland und Schweden – durchgeführte Phase II-Studie unterstrich die Hoffnungen der HepatologInnen: „In allen getesteten Dosierungen gab es deutliche Verbesserungen der Leberwerte“, erklärt Trauner. „Das ist ein vielversprechendes Ergebnis. Damit kann jetzt eine Phase III-Studie gestartet werden, die auch die Langzeitauswirkungen auf die Erkrankungsprogression untersucht.“

In der jetzt im Top-Magazin „Journal of Hepatology“ veröffentlichten Studie konnten die WissenschafterInnen zeigen, dass Nor-Urso klinisch effektiv, sicher und gut verträglich ist. Es wirkt direkt am Gallengang und spült die Gallenwege durch eine Erhöhung des bikarbonatreichen Gallenflusses von Giftstoffen frei. Trauner: „Der Wirkstoff kreist dabei zwischen Galle und Leber und wirkt genau dort, wo die entzündlichen Prozesse ablaufen, nämlich direkt im Gallengang.“ Die Ergebnisse lassen darauf hoffen, dass Nor-Urso u.a. auch dazu beitragen kann, Leberfibrose zu stoppen und das Bindegewebe zu verbessern. Das soll nun in einer klinischen Phase III-Studie, die rund drei Jahre dauern wird, untersucht werden.

Die primär sklerosierende Cholangitis, deren Ursache noch unbekannt ist, gilt als eine seltene Erkrankung mit schlechter Prognose, da die Erkrankung zur Leberzirrhose und zum Gallengangskrebs fortschreiten kann. Gekennzeichnet ist die Erkrankung durch eine Störung der Galleproduktion. Davon betroffen sind 0,01 Prozent der Bevölkerung.

Kooperation der Medizin-Unis in Wien und Graz

Generell gehören die MedUni Wien und die Med Uni Graz auch weltweit zu den führenden Zentren bei der Erforschung der primär sklerosierenden Cholangitis und anderer Leber- und Gallenwegserkrankungen. Die Forschungen zu norUrso hatte Trauner während seiner Tätigkeit an der Med Uni Graz vor mehr als einem Jahrzehnt begonnen, unterstützt vom Hepatologen Peter Fickert in Graz, der jetzt Leiter der klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Med Uni Graz und auch der Erstautor der aktuellen Studie ist. Die tierexperimentellen Arbeiten zu den Wirkmechanismen zur Nor-Urso aus dieser Zeit sind die Basis für die derzeitige klinische Entwicklung, seitdem  existiert eine enge Kooperation zwischen Graz und Wien.

Service: Journal of Hepatology

„norUrsodeoxycholic Acid Improves Cholestasis in Primary Sclerosing Cholangitis Independent of Ursodeoxycholic Acid Pre-treatment and Response.“ Fickert P, Hirschfield GM, Denk G, Marschall HU, Altorjay I, Färkkilä M, Schramm C, Spengler U, Chapman R, Bergquist A, Schrumpf E, Nevens F, Trivedi P, Reiter FP, Tornai I, Halilbasic E, Greinwald R, Pröls M, Manns MP, Trauner MJournal of Hepatology, Juni 2017, DOI: doi: 10.1016/j.jhep.2017.05.009

Die Studie wurde von Dr. Falk Pharma GmbH in Freiburg finanziert. „Diese Kooperation ist ein perfektes Beispiel dafür, wie akademische Forschung und Industrie es ermöglichen, die Grundlagenforschung von Bench to Bedside in die klinische Praxis zu transferieren“, so Trauner.

 

Rückfragehinweis:

Medizinische Universität Wien
Mag. Johannes Angerer
Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
+431 40160 – 11 501
Mobil: +43 664 800 16 11 501
johannes.angerer@meduniwien.ac.at
http://www.meduniwien.ac.at

MMag. Gerald Auer
Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement
Tel.: 0316 / 385-72023
E-Mail: presse@medunigraz.at
Auenbruggerplatz 2, 8036 Graz
www.medunigraz.at

 

Geht´s der Leber gut, geht´s dem Menschen gut!

 

Was ist Hepatitis?

Hepatitis beschreibt eine entzündliche Erkrankung der Leber. Diese kann verschiedene Ursachen haben. Eine sogenannte toxische Hepatitis kann durch Alkohol- oder Drogenkonsum oder Gifte hervorgerufen werden. Weit häufiger jedoch ist eine Leberentzündung aufgrund einer viralen Infektion, wie Hepatitis A oder Hepatitis B.

Eine Infektion mit Hepatitis Viren kann zu einer schweren Erkrankung führen. Infektionswege, Verlauf und Behandlung sind je nach Form der Hepatitis (A, B, C, D, E) unterschiedlich.

Hepatitis A

Hepatitis A wird fäkal-oral über Schmierinfektion (z.B. durch verunreinigte Gegenstände auf Toiletten, mangelnde Hygiene), verunreinigtes Wasser, Getränke, Eiswürfel, Speiseeis oder ungenügend gegarte Nahrungsmittel übertragen. Die Infektion tritt häufig in Regionen mit niedrigen Hygienestandards auf. Allerdings kommt es auch immer wieder zu Ausbrüchen in Europa. Das Virus ist gegenüber hohen und niedrigen Temperaturen resistent (sogar unter dem Gefrierpunkt). Dies gilt ebenso gegenüber Säuren und Laugen. Herkömmliche Reinigungsmittel oder Seifen können das Virus nicht inaktivieren.1

Verlauf

Das Krankheitsbild ist anfänglich unspezifisch (Fieber, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen). Ein klassisches Symptom ist die Gelbfärbung von Augen und Haut. Bei Kindern verläuft die Hepatitis A meist ohne klare Symptome und mild.1 Bei Erwachsenen kann es zu schwerer und länger anhaltender Krankheit kommen, insbesondere bei älteren Menschen und Personen mit vorgeschädigter Leber. Da die Erkrankung bei Kindern oft unbemerkt verläuft und dennoch auf Kontaktpersonen übertragen werden kann, können Kleinepidemien (innerhalb der Familie, Schule oder Kindergarten) im Anschluss an Auslandsreisen auftreten. Eine ausgeheilte Hepatitis A hinterlässt lebenslange Immunität.

Hepatitis B

Hepatitis B kann über Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel, Sperma oder Vaginalsekret übertragen werden. Die Übertragung kann sowohl durch direkten Kontakt, insbesondere ungeschützter Geschlechtsverkehr, als auch indirekt durch kontaminierte Gegenstände (z.B. Zahnbürste, Rasierklingen, Nagelscheren, Kanülen oder Tätowiergeräte) erfolgen. Hepatitis B ist bis zu 100-mal ansteckender als HIV.2 Durch übliche soziale Kontakte wie Hände schütteln, Umarmen, Küssen auf die Wange oder Benutzen der gleichen Toilette, besteht nach heutigem Kenntnisstand kein Risiko für eine Übertragung. Weltweit leben mehr als 2 Milliarden Menschen mit bestehender oder abgelaufener Infektion.3 Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung weisen Antikörper als Zeichen einer Hepatitis-B-Infektion auf. Chronisch infizierte Personen können das Hepatitis-B-Virus zudem auf gesunde Menschen übertragen.

Jährlich sterben weltweit etwa 600.000 Menschen an den direkten Folgen einer Hepatitis B.4 Problematisch ist, dass viele chronische Hepatitis-B-Träger nichts von ihrer Erkrankung wissen. In Mitteleuropa sind 5 bis 10 % der Bevölkerung Antikörperträger. Diese Gruppe hatte demnach Kontakt mit dem Erreger.5 In Österreich gibt es jährlich etwa 1.500 Neuerkrankungen und 42.000 chronische Hepatitis-B-Träger.3, 5

Verlauf

Der Verlauf einer Hepatitis B dauert meist zwei bis drei Monate und ist von einer langen Rekonvaleszenzzeit gefolgt. Nach anfänglichen Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, leichtes Fieber und Gelenkschmerzen folgen klassische Symptome, wie das Gelbfärben von Schleimhäuten und Augen. Selten entsteht eine schwere akute Leberentzündung, die lebensbedrohend sein kann. Bei bis zu 90 % der betroffenen Säuglinge und etwa 5 % der betroffenen Erwachsenen entwickelt sich eine chronische Leberentzündung, die als Spätfolge zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führen kann.4 Das primäre Ziel der Behandlung von Patienten mit chronischer Hepatitis B besteht in einer dauerhaften Unterdrückung der Virusvermehrung. Dazu stehen antivirale und immunstimulierende Medikamente zur Verfügung.4

Wie schütze ich mich?

Da Hepatitis A und B unterschiedliche Übertragungswege haben, gibt es auch unterschiedliche Wege sich vor diesen Erkrankungen zu schützen. Eine wichtige Maßnahme zum Schutz vor Hepatitis A ist, in Regionen mit niedrigen hygienischen Standards, nur gut gekochte oder gegarte Speisen und selbstgeschälte Früchte zu sich zu nehmen. Eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung vor Hepatitis B ist geschützter Geschlechtsverkehr. Bei Tätowierungen oder Hand- und Fußpflege können strenge Hygienemaßnahmen das Infektionsrisiko minimieren. Sowohl gegen Hepatitis A als auch gegen Hepatitis B sind in Österreich Impfstoffe erhältlich. Die Impfung gegen Hepatitis A wird Kindern ab dem 2. Lebensjahr und generell allen Erwachsenen empfohlen. Insbesondere Kleinkinder sollten vor Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten oder Schule geimpft werden.3 Die WHO empfiehlt weltweit eine Impfung der Bevölkerung gegen Hepatitis B. In Österreich werden Säuglinge im Rahmen der 6-fach Impfung gegen Hepatitis B geimpft.3 Auch die Auffrischung im Schulkindalter ist im Rahmen des Kinderimpfprogramms kostenlos erhältlich. Die Erwachsenenimpfung ist kostenpflichtig und kann in jedem Lebensalter nachgeholt werden.

Bin ich geschützt?

Für einen Impfschutz gegen Hepatitis A benötigt man 2 Dosen eines Hepatitis-A-Impfstoffs. Dieser wird laut Österreichischem Impfplan im Abstand von 6 Monaten, für Kinder ab dem 2. Lebensjahr und Erwachsene, empfohlen.3 Für die Grundimmunisierung mit einem Hepatitis-B-Impfstoff sind drei Impfungen vorgesehen. Eine gleichzeitige Immunisierung gegen Hepatitis A und B ist ebenfalls möglich. In Ausnahmefällen stehen für Erwachsene auch beschleunigte Impfschemata zur Verfügung. Speziell wenn Sie die Impfung aufgrund einer Reise erwägen, empfiehlt es sich daher frühzeitig eine reisemedizinische Auskunft bei Ihrem Hausarzt einzuholen. Weitere Auffrischungsimpfungen gegen Hepatitis A werden laut Österreichischem Impfplan nach frühestens 20 Jahren empfohlen. Gegen Hepatitis B werden nach der Grundimmunisierung im Kindesalter und Auffrischung im Schulalter, bzw. Grundimmunisierung im Erwachsenenalter, generell keine weiteren Auffrischungsimpfungen oder Titerkontrollen empfohlen. (Ausnahme: Risikogruppen)3

 

In einer aktuellen Untersuchung hat sich herausgestellt, dass ein beträchtlicher Anteil der bereits geimpften Personen nicht die Anzahl der notwendigen Impfungen erhalten hat.6 Kontrollieren Sie Ihren Impfpass daher mit Ihrem Arzt oder Apotheker.

Wie komme ich zur Impfung?

Wenn Sie sich gegen Hepatitis A und/oder Hepatitis B schützen möchten und/oder unsicher bezüglich Ihres Impfstatus sind, sollten Sie zuerst Ihren Hausarzt aufsuchen. Dieser wird Sie kompetent beraten und eine individuelle Empfehlung für Sie aussprechen. Wie bei jeder medizinischen Maßnahme sind auch bei Impfungen Nebenwirkungen möglich. Ihr behandelnder Arzt oder Apotheker wird Sie darüber aufklären ob eine Impfung gegen Hepatitis A und/oder Hepatitis B für Sie in Frage kommt bzw. zu empfehlen ist.

 

Referenzen:

1 HepatitisA_whocdscsredc2000_7

2 Bell et al., Inf. Agents and Disease, 1: 263-269, 1992.

3 Österreichischer Impfplan 2016

4 Weekly epidemiological record, No. 40, 2009, 84, 405-420

5 https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/hepatitis-b.html; abgefragt am 09.03.2016

6 GfK 2013 Gesundheitsumfrage